Von allem ein wenig zu viel, nur vom Leben zu wenig.

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„Stoned“ heißt der Film von Stephen Woolley, der mit dem nassen Tod des verwunschenen Gründerprinzen der Rolling Stones, Brian Jones, beginnt.
Möchte gleich vorweg erwähnen, das dieser Film nicht neu und ich absolut kein Filmkenner bin. Trotzdem oder gerade deshalb möchte ich einiges anmerken.„Stoned“ konzentriert sich auf die letzten Wochen im Leben von „Stones“-Gründer Brian Jones (Leo Gregory), wobei frühere Entwicklungen immer wieder in Rückblenden integriert werden. Soweit so gut. Ich halte den Film schlicht und ergreifend für viel zu harmlos, dies soll also das rasante Leben eines grossen Rockstars sein? Da wird uns Teenie-Sex geboten, wo bleiben die Ausschweifungen des drogenabhängigen Erotomanen Brian. Als große Liebe von Jones erscheint im Film Anita Pallenberg (Monet Mazur), eine gewalttätige Amour fou ist ihre Beziehung, die nur in einem Verrat enden konnte. Pallenberg, die große, immer noch unbeschriebene Muse der Musik und des Kinos nicht nur jener Zeit, verließ Jones für Keith Richards. Und dies war wohl auch der Beginn der Talfahrt des Brian Jones.Da Woolley den Bauunternehmer Frank Thorogood (Paddy Considine) als Mörder von Jones sieht, nimmt das Verhältnis zwischen dem Musiker und dem Handwerker einen grossen Raum ein. Ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis entsteht bald zwischen den beiden Männern, eine sadomasochistische, latent homosexuelle Beziehung, wie sie bereits in Cammells „Performance“ behandelt wurde. Der androgyne Brian Jones erscheint dabei immer mehr wie eine bizarre Mischung aus Rimbaud und Norma Desmond. Wie pragmatische Business-Leute wirken dann auch Jagger und Co., als sie Jones einmal kurz besuchen und den Träumer endgültig aufs Abstellgleis schicken. Und dann wäre da noch die Musik, die Stones scheinen von Woolleys Film nicht begeistert gewesen zu sein, haben sie ihm jegliche Rechte an den Songs verweigert. Einzig eine für mich viel zu kurze Sequenz einer Session an der legendären Edith Groove, als die jungen Richards und Jones den frühen Sound der Rolling Stones fanden. Trotzdem – für Musikfans ist “Stoned” ein spannendes Zeitdokument. Mit einem Brian Jones, der Glück als langweilig empfand und lieber im Exzess zugrunde ging, als in Langeweile zu leben.Und ich habe mir wieder mal die alten Stones-Scheiben mit Mister Jones aufgelegt und ich finde sie noch immer genial.

lusch

 

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