Schön traurig

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Anlässlich des Konzertes von Mary Gauthier am 15.04 im Quasimodo, Berlin

“Everything worth holding slips through my fingers, Now my hands wrapped around the handle of a gun, I’m holding on to the handle of a gun“ singt Mary Gauthier im ersten Song ihres fünften Albums „Between Daylight And Dark“. Mit tiefer und todtrauriger Stimme besingt Gauthier in „Snakebit“ einen Mord. Eine Verzweiflung, die dem gesamten Album zugrunde liegt. Die Themen sind Zerbrochenheit, Selbstfindung, unerbittlicher Kampf, Trennung, Abschied und Schmerz. Alle diese Themen kommen in “Can’t Find The Way” zusammen. Der Song erinnert an Bob Dylan’s “I Shall Be Released”, nur mit weniger Hoffnung und mehr Frustration. Liebe und Geborgenheit erzeugen nur vorübergehende Glücksgefühle und stürzen einen nur noch tiefer ins Loch der Depression (“Before You Leave”, “Please”, “Same Road”). Da stellt sich die Frage ob es sich lohnt, sich mit dieser ganzen Trostlosigkeit auseinander zu setzen? Ja und nochmals ja, hört euch diese vom Leben gezeichnete Frau an. Ein von Joe Henry wunderbar produziertes Album, dem es gelungen ist, mit Marys Gespenstern zeitlos durch die Songs zu wandern. Stilistisch zwischen Folk und Country angesiedelt, gelingt es Gauthiers Dämonen etwas zu besänftigen. “Between Daylight And Dark” ist eine CD die ich sicher nicht allzu oft anhören werde, aber die sich schon jetzt in meine musikalische Seele gebrannt hat.
Wie sang Miss Gauthier 2001 in “I Drink“;
Fish swim
Birds fly
Lovers leave
By and by
Old men
Sit and think
I drink
Ja genau, ich auch.

lusch

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