THE FELICE BROTHERS

The Felice Brothers

Bei mir läuft im Moment auf dem iPod eine CD in der Endlosschleife: The Felice Brothers. Das sind drei Brüder aus dem ländlichen New York: Simone, Ian und James Felice und als einziger Nicht-Feliceaner, der Bassist Christmas Farley. Die Musik erinnert streckenweise stark an his Bobness “Mr. Dylan”, genauer: an die frühen 70er Jahre, als Bob Dylan mit “The Band” spielte. Da trifft Folk auf Bluegrass und Country, es scheppert das Honkytonkklavier, ein Bläsersatz ertönt in bester NewOrleans-Manier und im Hintergrund lädt ein grölender Chor zum Mitsingen ein. Selten habe ich eine Band so relaxt und mit so viel Gefühl musizieren gehört.
Dass die vier sympathischen, dem Alkohol sichtlich nicht abgeneigten Musiker, an der Produktion dieser wunderbaren CD ihre helle Freude gehabt haben, spürt man in jedem Moment dieser Aufnahmen. Manchmal scheint es gar, als wäre dieses Juwel in einem Saloon in irgend einem kleinen Kaff mitten in der Wüste live eingespielt worden. Als Zuhörer sitzt man dann zusammen mit ein paar anderen kuriosen Gestalten an der Bar und starrt mit offenem Mund auf die vier skurilen jungen Typen, welche in einer schummrigen Ecke mit ihren verstimmten Instrumenten einen Sound herzaubern, dass einem richtig warm ums Herz wird. Wunder-, wunderschön!
Anspielttipps: Whiskey in my Whiskey, Ruby Mae, Frankies Gun, Greatest Show on Earth!
In Amerika sollen die Felice Brothers scheinbar mit einem gewissen Justin Townes Earle auf Tour sein! Diesen Mann haben wir ja bereits in diesem Blog vorgestellt.
Wer weiss, vielleicht schaffen es diese Herren ja auch mal in die Schweiz. Wäre zu schön…

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schef

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Schön traurig

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Anlässlich des Konzertes von Mary Gauthier am 15.04 im Quasimodo, Berlin

“Everything worth holding slips through my fingers, Now my hands wrapped around the handle of a gun, I’m holding on to the handle of a gun“ singt Mary Gauthier im ersten Song ihres fünften Albums „Between Daylight And Dark“. Mit tiefer und todtrauriger Stimme besingt Gauthier in „Snakebit“ einen Mord. Eine Verzweiflung, die dem gesamten Album zugrunde liegt. Die Themen sind Zerbrochenheit, Selbstfindung, unerbittlicher Kampf, Trennung, Abschied und Schmerz. Alle diese Themen kommen in “Can’t Find The Way” zusammen. Der Song erinnert an Bob Dylan’s “I Shall Be Released”, nur mit weniger Hoffnung und mehr Frustration. Liebe und Geborgenheit erzeugen nur vorübergehende Glücksgefühle und stürzen einen nur noch tiefer ins Loch der Depression (“Before You Leave”, “Please”, “Same Road”). Da stellt sich die Frage ob es sich lohnt, sich mit dieser ganzen Trostlosigkeit auseinander zu setzen? Ja und nochmals ja, hört euch diese vom Leben gezeichnete Frau an. Ein von Joe Henry wunderbar produziertes Album, dem es gelungen ist, mit Marys Gespenstern zeitlos durch die Songs zu wandern. Stilistisch zwischen Folk und Country angesiedelt, gelingt es Gauthiers Dämonen etwas zu besänftigen. “Between Daylight And Dark” ist eine CD die ich sicher nicht allzu oft anhören werde, aber die sich schon jetzt in meine musikalische Seele gebrannt hat.
Wie sang Miss Gauthier 2001 in “I Drink“;
Fish swim
Birds fly
Lovers leave
By and by
Old men
Sit and think
I drink
Ja genau, ich auch.

lusch

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