THE FELICE BROTHERS

The Felice Brothers

Bei mir läuft im Moment auf dem iPod eine CD in der Endlosschleife: The Felice Brothers. Das sind drei Brüder aus dem ländlichen New York: Simone, Ian und James Felice und als einziger Nicht-Feliceaner, der Bassist Christmas Farley. Die Musik erinnert streckenweise stark an his Bobness “Mr. Dylan”, genauer: an die frühen 70er Jahre, als Bob Dylan mit “The Band” spielte. Da trifft Folk auf Bluegrass und Country, es scheppert das Honkytonkklavier, ein Bläsersatz ertönt in bester NewOrleans-Manier und im Hintergrund lädt ein grölender Chor zum Mitsingen ein. Selten habe ich eine Band so relaxt und mit so viel Gefühl musizieren gehört.
Dass die vier sympathischen, dem Alkohol sichtlich nicht abgeneigten Musiker, an der Produktion dieser wunderbaren CD ihre helle Freude gehabt haben, spürt man in jedem Moment dieser Aufnahmen. Manchmal scheint es gar, als wäre dieses Juwel in einem Saloon in irgend einem kleinen Kaff mitten in der Wüste live eingespielt worden. Als Zuhörer sitzt man dann zusammen mit ein paar anderen kuriosen Gestalten an der Bar und starrt mit offenem Mund auf die vier skurilen jungen Typen, welche in einer schummrigen Ecke mit ihren verstimmten Instrumenten einen Sound herzaubern, dass einem richtig warm ums Herz wird. Wunder-, wunderschön!
Anspielttipps: Whiskey in my Whiskey, Ruby Mae, Frankies Gun, Greatest Show on Earth!
In Amerika sollen die Felice Brothers scheinbar mit einem gewissen Justin Townes Earle auf Tour sein! Diesen Mann haben wir ja bereits in diesem Blog vorgestellt.
Wer weiss, vielleicht schaffen es diese Herren ja auch mal in die Schweiz. Wäre zu schön…

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schef

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Little Rock ‘N’ Roller hat ausgeschlafen

Was für ein Privileg hatte dieser Kerl als Kind, konnte er doch einen „Gute Nachtsong“ sein Eigen nennen. Auf dem 1986 erschienenen Album „Guitar Town“ sang Steve Earle in Little Rock ‘N’ Roller; „cause I know there’s an angel just for rock ‘n’ rollers, watchin’ over you and your daddy tonight, go to sleep little rock ‘n’ roller”. Nun der kleine Rocker hat Ausgeschlafen, und er muss vor dem Einschlafen eine Menge guter Musik gehört haben. Nach der 2007 veröffentlichten EP „ Yuma“, stellt Justin Townes Earle mit “The Good Life” seine erste CD vor. Und das Teil fährt mir ein, wie ein kühles Bier an einem heissen Sommerabend. Auf “The Good Life” ist eine wunderbare Melanche aus den Wurzeln amerikanischer Musik zu hören. Durch die Songs schleicht der Geist Townes Van Zandt´s, die Eleganz eines Guy Clark ist zu hören, Bruce Springsteen begleitet seinen jungen Musikerkollegen durch „Lone Pine Hill“ und die Einsamkeit eines Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Stimme von Justin Townes zeigt in manchen Phasen eine frappante Nähe zu Vater Steve (aus dessen Band er nach kurzem Gastspiel als Keyboarder und Gitarrist gefeuert wurde, ja auch kleine Rock ‘N’ Roller werden störrisch, vor allem, wenn sie zu sehr nach dem Vater geraten). Doch über Allem schwebt das feinsinnige Herz eines Gram Parsons, der im Titelsong unverkennbar Pate stand. Zu erwähnen wäre auch noch Justin Townes tolle Band, Pedal-Steel-Gitarrist Pete Finney (Dixie Chicks, Patty Lovelace), Bassist Bryn Davies (Patty Griffin, Guy Clark) und dem Schlagzeuger Bryan Owings (Buddy Miller, Shelby Lynne), sowie dem Keyboarder Skylar Wilson und an der Geige Josh Hedley. Für mich ein erstes musikalisches Highlight in diesem Jahr. Und alle, die mich ein wenig kennen, wissen, dass ich an einem Sommerabend nicht nach einem Bier heimgehe. Also schalt ich den Computer aus, setz mir die Kopfhörer auf und lass mich von Justin Townes Earle durch das gute Leben begleiten.

lusch

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