Springsteen fa esplodere San Siro

Ein Konzertereignis der Extraklasse

Auf die Plätze fertig los, heute gibt es was auf die Ohren. Kaum auf der Bühne legt die E-Street-Band und ihr Boss los, und wie. Eddie Cochrans „ Summertime Blues“ hallt kraftvoll durch das weite Rund des San Siro-Stadiums in Mailand. Und wie das passt, auch die hereinbrechende Nacht bringt keine Abkühlung, ein heisser Abend in jeder Beziehung. ” Out in the Streets “, ” Radio Nowhere “, “Prove it all Night ” Gleich einer TGV-Lokomotive donnert Spingsteen durch das Programm, lässt die E-Street-Band kaum zu Atem kommen, next Stopp – Rock’n’Roll Heaven. Also, die Band: Musiker, die seit so vielen Jahren zusammen spielen und immer noch Spass miteinander haben. Max Weinberg am Schlagwerk, mit der Kraft eines Hufschmieds hämmert er die Rhythmen in sein Drum-Kit. Little Steven und Nils Lofgren an den Gitarren, die mit kurzen, prägnanten Soli, aber immer mit einem unerbittlichen Drive die Wucht der Songs in die Menge zu treiben. Gary Tallent am Bass, stoisch ruhig, aber immer nach vorn orientiert. Und last but not least “the biggest man on earth” Clarence Clemons, dessen Saxophon von der Menge stürmisch bejubelt wird. Roy Bittan und Charles Giordano an den Tasten, sowie Soozie Tyrell an Gitarre und Violine vervollständigen die Band.
„One, two, three, four!“
„Just wanna hear some rhythm!“ Tausende Gitarren und ein Hammer-Schlagzeug will Bruce. Und Springsteen arbeitet, er schuftet, schwitzt und bolzt über die Bühne, er verzerrt sein Gesicht und schaut melancholisch, flirtet mit den jungen, hübschen Italienerinnen. Er zupft seine Gitarre nicht, sondern würgt sie, prügelt auf sie ein, er stolziert nicht über die schlichte Bühne, er stampft wie ein Cowboy, er rotzt, rockt und schwingt die Arme. Mit jeder Geste erinnert er an seine Helden aus der amerikanischen Arbeiterschicht, ein Woody Guthrie des 21 Jahrhunderts. Mit seinen Songs über ausgediente Minen, die Trostlosigkeit der Arbeitslosen, den unbezahlbaren Krediten der Farmer, den bezauberten Girls in ihren engen Bluejeans und den Suchenden auf den endlosen Highways. Ihnen allen hat er ein musikalisches Vermächtnis geschenkt. Wie schrieb doch Jon Landau 1974 im Sog eines Springsteen-Konzerts; “Ich habe die Zukunft des Rock ‘n’ Roll gesehen, und ihr Name ist Bruce Springsteen.” Und ich habe ihn an diesem Abend verstanden. „Livin’ In The Future“, und von 1974 aus betrachtet, stimmt das auch. Langjährige Springsteen-Fans, wie Suzy und Nöggi, meine Begleiter an diesem Abend, sind ja sicher in Sachen Intensität einiges gewohnt, aber für mich, inmitten 65000 begeisterter Zuhörer sorgt es für einen Gänsehautschauer nach dem anderen. Und dies alles–schweissgebadet. Was da an Kraft und Spirit von der Bühne kommt, stärkt die Seele, hilft mir, sich den kleinen oder großen Unwegsamkeiten des Lebens mit einem Lächeln zu stellen. Nachvollziehbar, dass für viele, die dem “Boss” durch ganz Europa nachreisen, diese Konzerte eine Art spirituelles Ereignis sind. Ein weiterer Höhepunkt, Nils Lofgren lässt seine Gitarre in „Because the Night“ von der Leine, macht einfach nur Spass, mein Rock’n’Roll Herz ist entzückt, der TGV rast durch meinen Kopf. Mehr, schneller, lauter, meine Schweissdrüsen (In der Haut liegende Drüsen, die zum Kühlen der Hautoberfläche eine Flüssigkeit absondern, die zu 99% aus Wasser, etwas Kochsalz, Harnstoff und Fettsäuren besteht) arbeiten auf Hochtouren . Harnstoff? Vor uns tanzt ein junges Girl, und dies während den ganzen drei Stunden, und alles ohne eine einzige Schweissperle. Mit meinem Stoffwechsel kann was nicht stimmen. Nun gut, mein fünfzigster Geburtstag steht vor der Tür( Es lebe der Zentralfriedhof). „Girls in Their Summer Clothes“, die erste Zugabe, des Mannes liebste Jahreszeit…… Das umwerfende „ Detroit Medley“ bestehend aus „ Devil In Blue Jeans“,“Good Golly Miss Molly“,“C.C Rider“, „Jeanie Jeanie Jeanie“ lässt mich mein Alter vergessen. Als letzte der acht Zugaben, gibt uns Springsteen ein rockiges „ Twist And Shout“. Da könnte man sogar zum Beatles-Fan mutieren.
Über den Weg zurück ins Hotel, möchte ich nur einen grossen schwarzen Mantel des Schweigens legen; „Long Walk Home“

luckylusch

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Little Rock ‘N’ Roller hat ausgeschlafen

Was für ein Privileg hatte dieser Kerl als Kind, konnte er doch einen „Gute Nachtsong“ sein Eigen nennen. Auf dem 1986 erschienenen Album „Guitar Town“ sang Steve Earle in Little Rock ‘N’ Roller; „cause I know there’s an angel just for rock ‘n’ rollers, watchin’ over you and your daddy tonight, go to sleep little rock ‘n’ roller”. Nun der kleine Rocker hat Ausgeschlafen, und er muss vor dem Einschlafen eine Menge guter Musik gehört haben. Nach der 2007 veröffentlichten EP „ Yuma“, stellt Justin Townes Earle mit “The Good Life” seine erste CD vor. Und das Teil fährt mir ein, wie ein kühles Bier an einem heissen Sommerabend. Auf “The Good Life” ist eine wunderbare Melanche aus den Wurzeln amerikanischer Musik zu hören. Durch die Songs schleicht der Geist Townes Van Zandt´s, die Eleganz eines Guy Clark ist zu hören, Bruce Springsteen begleitet seinen jungen Musikerkollegen durch „Lone Pine Hill“ und die Einsamkeit eines Soldaten im Amerikanischen Bürgerkrieg. Die Stimme von Justin Townes zeigt in manchen Phasen eine frappante Nähe zu Vater Steve (aus dessen Band er nach kurzem Gastspiel als Keyboarder und Gitarrist gefeuert wurde, ja auch kleine Rock ‘N’ Roller werden störrisch, vor allem, wenn sie zu sehr nach dem Vater geraten). Doch über Allem schwebt das feinsinnige Herz eines Gram Parsons, der im Titelsong unverkennbar Pate stand. Zu erwähnen wäre auch noch Justin Townes tolle Band, Pedal-Steel-Gitarrist Pete Finney (Dixie Chicks, Patty Lovelace), Bassist Bryn Davies (Patty Griffin, Guy Clark) und dem Schlagzeuger Bryan Owings (Buddy Miller, Shelby Lynne), sowie dem Keyboarder Skylar Wilson und an der Geige Josh Hedley. Für mich ein erstes musikalisches Highlight in diesem Jahr. Und alle, die mich ein wenig kennen, wissen, dass ich an einem Sommerabend nicht nach einem Bier heimgehe. Also schalt ich den Computer aus, setz mir die Kopfhörer auf und lass mich von Justin Townes Earle durch das gute Leben begleiten.

lusch

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Schön traurig

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Anlässlich des Konzertes von Mary Gauthier am 15.04 im Quasimodo, Berlin

“Everything worth holding slips through my fingers, Now my hands wrapped around the handle of a gun, I’m holding on to the handle of a gun“ singt Mary Gauthier im ersten Song ihres fünften Albums „Between Daylight And Dark“. Mit tiefer und todtrauriger Stimme besingt Gauthier in „Snakebit“ einen Mord. Eine Verzweiflung, die dem gesamten Album zugrunde liegt. Die Themen sind Zerbrochenheit, Selbstfindung, unerbittlicher Kampf, Trennung, Abschied und Schmerz. Alle diese Themen kommen in “Can’t Find The Way” zusammen. Der Song erinnert an Bob Dylan’s “I Shall Be Released”, nur mit weniger Hoffnung und mehr Frustration. Liebe und Geborgenheit erzeugen nur vorübergehende Glücksgefühle und stürzen einen nur noch tiefer ins Loch der Depression (“Before You Leave”, “Please”, “Same Road”). Da stellt sich die Frage ob es sich lohnt, sich mit dieser ganzen Trostlosigkeit auseinander zu setzen? Ja und nochmals ja, hört euch diese vom Leben gezeichnete Frau an. Ein von Joe Henry wunderbar produziertes Album, dem es gelungen ist, mit Marys Gespenstern zeitlos durch die Songs zu wandern. Stilistisch zwischen Folk und Country angesiedelt, gelingt es Gauthiers Dämonen etwas zu besänftigen. “Between Daylight And Dark” ist eine CD die ich sicher nicht allzu oft anhören werde, aber die sich schon jetzt in meine musikalische Seele gebrannt hat.
Wie sang Miss Gauthier 2001 in “I Drink“;
Fish swim
Birds fly
Lovers leave
By and by
Old men
Sit and think
I drink
Ja genau, ich auch.

lusch

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In Rainbows

In Rainbows

Wie so mancher Musikinteressierte habe ich im Oktober letzten Jahres die Discobox von RADIOHEAD bestellt. Das Schöne an der Sache: Am 24. Dezember stand der Postbote vor der Tür mit einem grossen quadratischen Paket. Natürlich hätte ich das langersehnte “Päckli” unter den Weihnachtsbaum legen und mich wie meine Kinder, bis zum Heiligabend gedulden können… wollte ich aber nicht! Zu lange habe ich mich auf diesen Moment gefreut. Und was da zum Vorschein kam… das war… ( … ) hast du mal die Original-LP “Exile on Main Street” von den Stones oder die Vinyl-Box “Chicago at Carnegie Hall” von 1971 in Händen gehalten? Dann weisst du vielleicht, was ich meine. Da wurde viel Aufwand bei der Verpackung und beim Inhalt für viel gute Musik betrieben. Und genau dies zeichnet auch “In Rainbows” aus. Die Box ist sehr edel und hochwertig verarbeitet; 2 45er Vinyl-Platten, 2 CDs und 2 Hochglanzbooklets in einem wunderschönen, grafisch toll umgesetzten, robusten Schuber. Musikalisch liefern Radiohead mit “In Rainbows” eine wunderbare Platte ab, welche locker an “Hail to the thief” anzuschliessen vermag. Anspieltipps: 15 Steps, Bodysnatchers, Nude, Weird Fishes/Arpeggi, All i need, Faust, Reckoner, House of Cards, Jigsaw falling into place, Videotape, MK1, Down is the new up, Go slowly, MK2, Lost Flowers to the hospital, Up on the ladder, Bangers & Mash, 4 Minute Warning, in derselben Reihenfolge.

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schef

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